Wertmaßstäbe …

Wertmaßstäbe …

 


 

… können auch Entsetzen auslösen.
© Michael Wollmann (*1990)


 

Neulich in unserer Hütte: Einer von Jörgs Freunden zieht um, er brauche eine neue Küche. Er sprach Jörg drauf an. Jörg plante mal … 

Etwas uneins waren die sich wohl in Bezug auf die Größe, den Stauraum. Kann passieren. Andrea dazu: die Leute (pauschal – nicht jetzt bezogen auf Jörgs Freunde) lassen sich pauschal von den hübschen Küchenprospekten blenden. Noch größer, noch schöner, riesige Fensterflächen. Super. Nur: diesen Raum, um sowas aufzustellen – den muss man dann auch erstmal haben. Gescherzt meinte Andrea, dann müsse der Freund halt seine Küche ins Wohnzimmer packen, das Wohnzimmer in die Küche.

Weiter sagte Andrea das, was sie schon so oft gesagt hatte: würde sie das Haus hier heute nochmal planen – sie würde die Küche ins Wohnzimmer bringen. Gedarfsgerecht. Richtig ist nämlich: das Wohnzimmer ist ein großer Raum – ein verschenkter. Wann sitzen wir denn da? Sonntags (sonst wird da Staub geputzt, gesaugt – und gelegentlich „liegt der Steuerberater auf dem Sofa“ = Ablagefläche für Papiere). Für uns reicht im Grunde genommen ein Fernsehraum. Ein kleiner. Fernseher, kleines Tischchen für Getränke … Sofa/Sessel. Fertig.

Und dieses Mal – ja, dieses Mal hat Jörg hingehört …  Sofort stand er da – mit Papier, Bleistift, Abklebeband und Meterstab im Anschlag. Und *schwups* war die neue Küche abgesteckt.

Andrea stockte der Atem – und er tut’s immer noch …

Seither reißen die Fragen hier nicht mehr ab. Arbeitsplatte, Geräte, Türfutter, Türen zur Gästetoilette /zum Keller, Bodenbelag … Das gesamte Erdgeschoss steht in Frage, im Keller „wackeln die Decken“ – kurz und gut: das komplette Paket wird fällig (wir hätten auch neu bauen können, wäre wohl aufs gleiche rausgekommen).

Immerhin: der Küchenplan  steht nun, das „Farbkonzept“ seit gestern auch.

Oh – man kann hier nämlich nicht einfach machen was man will. Nichts läuft ohne Jörgs Plan und: es muss alles „ein ordentliches Bild“ geben, wenn mal alles fertig ist, bis in die letzte Ecke. Gut dass wir den Schreinermeister in der Hütte haben – noch dazu einen mit „Design“ im Blut. Damit tut die Planung nicht ganz so weh (sagt Andrea)  😉 . 


 

Soweit – so gut. Am letzten Samstag war dann ein Berufskollege/-freund von Jörg hier: der Elektriker. Keller/Küche/Wohnzimmer&Strom: mal eben besprochen. Andrea hätte sich die Ohren zuhalten und schreiend davonlaufen können.

Während Andrea davon ausgegangen war, dass „nur“ ein Loch in den Wohnzimmerboden und damit in die darunterliegende Decke des Badzimmers im Keller gebohrt wird (irgendwoher muss ja Wasser und Strom von unten kommen, wenn man einen Küchenblock in die Mitte eines Raumes stellt), hörte sie nun: Decke runter im Bad …, Decke runter im Vorratsraum …, Kabelkanal im Saunaraum … Die Baustelle wurde immer größer.

Jörg hatte sich am Vatertag vor wenigen Tagen schon mal ans Werk gemacht:

Zum Thema Wasser (kommt wie gesagt von unten) geht es dann weiter, wenn der nächste Berufskollege von Jörg hier war – der Installateur.


 

Und dann haben wir vor ein paar Tagen ein Geschenk bekommen: einen Strandkorb! Eine langjährige Freundin von Jörg ist umgezogen, der Korb ist irgendwie übrig geblieben. Nun die Frage, ob wir den haben mögen. Er würde sonst entsorgt werden. Andrea: entsorgt? Das wäre doch wirklich schade. Und so zieht der Korb nun bei uns ein. Erst war angedacht, ihn im Garten aufzustellen, dann kamen Andrea Bedenken. Der Platz, der für ihn in Frage kommt, ist ein recht sensibeler – nämlich, wenn hier mal ein Stürmchen um die Ecke fegt. Wir stellen uns vor: wir sind mal nicht Zuhause und dann greifen Windstärken von so um die 100 oder 120 Stundenkilometer dem Korb unter die Arme. Holla die Waldfee – dann liegt er vielleicht im Hof der Nachbarin und trifft vielleicht noch einen ihrer Blumentöpfe. Wer weiß, was für ein Theater das nach sich ziehen könnte … Beschluss Andrea: der Korb kommt in den Wintergarten. Sturmsicher. Regengeschützt. So haben wir dann das ganze Jahr Freude daran.

Jörg: Wintergarten? Ja wenn das so sei … dann aber …

Dann aber …?

Es geht mit dem Herrichten nun ans Eingemachte, wie man so sagt. Jörg nimmt sich das Holz vor, Andrea darf sich um die Innenausstattung „mit“kümmern. Nicht etwa dass ihr bei der Baustellenplanung langweilig würde 😉  – sie ist auf der Suche nach Stoffen für die Korbpolsterung 🙂 …


 

Solange wir bei all dem nicht zu kurz kommen, soll es uns ja recht sein.

  • Andrea hat sich keine neue Küche gewünscht (die alte hätte es auch weiterhin getan) – nun kriegt sie eine …

  • Andreas Freundin hat einen Strandkorb im Garten stehen. Fühlt sich so gut an, da drin zu sitzen – so Andrea. Aber: deshalb hat sie sich nun nicht auch einen Strandkorb gewünscht – und nun kriegt sie einen (sowas entsorgen – wie Plan B von Jörgs Freundin vorgesehen hatte – wiederspricht da ihrer Nordseele) …

Korrekt: nicht Andrea alleine kriegt all das. Wir alle hier kriegen Küche und Korb …


 

Den Vatertagsausflug in die Werkstatt (um den Korb anzusehen) haben wir damit verbunden, mal wieder bei Jörgs Freund Uwe vorbeizuschauen. War wie immer richtig schön. Der Friedwald hat was und dieses Mal hat die Sonne für eine richtig schöne Stimmung da draußen gesorgt.

Klein aber oho – klasse Cabrio …

Gut geparkt an der Werkstatt, immerhin: ein Schattenplätzchen. Lieber wäre uns gewesen, wir hätten da mit reinlaufen dürfen, dann hätten Andrea & Jörg aber kein Auge mehr für den Strandkorb haben können, sondern nur noch für uns.


 

Danach dann in unserem „Gartenbistro“ – „Vatertag“ (statt Kaffee&Kuchen). Priiiima. Wir mögen Würstchen vom Grill (gibt’s halt nicht so oft und wenn dann für uns auch noch nur in kleinen Portionen).

 

Die Crew vom See …